Sonntag, 11. Dezember 2016

Mijello und die Farbkarte

Um weiß zu schattieren nehme ich am liebsten ein düsteres Violett. Das misch ich mir bisher immer aus Elfenbeinschwarz und Dioxazinviolett. Da ich davon aber so viel benötige, bin ich das Mischen langsam leid und war auf der Suche nach einer Fertigversion. Schattenviolett, sowas wirds ja wohl geben!

Besonders oft brauch ich die Farbe für meine Schneehasen.



Alle Schatten damit gemalt.

Bei Daniel Smith gibt es Schattenviolett, welches allerdings aus zwei unterschiedlich löslichen Pigmenten besteht und dann beim Trocknen unterschiedlich granuliert. Man erhält einen violettblauen Grundton mit pinken Flecken. Das kann ich nicht gebrauchen und war mir mit 18€ pro Tube auch zu teuer.

Aber dann bekam ich die Farbkarte von Mijello und DA WAR ES!


... Oder auch nicht? Die Farbkarte gibt genau die Farbe wieder, die ich haben wollte. Aber was ich dann bekam, würde ich wirklich nicht mehr als Violett beschreiben. Das ist blau. Eindeutig blau! Und damit leider unbrauchbar.

Bei rotbraun passt die Farbkarte auch nicht so gut. Aber da finde ich, dass man eine schönere Farbe bekommt, als auf der Karte angegeben.



Hier wusste ich allerdings vorher auch nicht, was ich zu erwarten habe. Bei Violett habe ich ja direkt nach einer bestimmten Farbe gesucht.

Man kann jetzt sagen, dass die Druckergebnisse ja immer etwas unterschiedlich ausfallen können. Das Argument lasse ich aber nicht gelten, denn:

1) es ist die einzige Farbkarte, die man hier bekommen kann. Es hängen keine Originalfarbkarten aus so wie von Schmincke. Und Druckerzeugnisse sind verlässlicher als wenn ich da jetzt mit 10 Smartphones was aussuche.

2) Das Druckergebnis kann man in der Zentrale gegenchecken. Farbe geht nicht? Druck wird nicht akzeptiert. Wenn ich Farben verkaufe, dann mach ichs entweder ganz schwammig und mach ein Lotto draus oder ich tu es richtig.


Und ist die Farbkarte komplett schlecht? Finde ich nicht, denn die anderen 4 Farben sind doch fast korrekt.



Ich halte sehr viel von Mijello. Sie haben so ziemlich als Einziges ein ganzheitliches tolles frisches Design. Die Tuben sehen gut aus, sogar die Pappverpackungen der Tuben sind schön, hochwertig und glänzend. Deren Verkaufsaufsteller ist einzigartig in der Schönheit und mit den Schubladen. Und deren Näpfchen Aquarellkästen sind endlich mal was Frisches, ich kann diese altmodischen Metallklammerkästen nicht ausstehen.
Dazu dann noch der unschlagbare Preis.

Es ist halt nur die Enttäuschung, dass ich DIE Farbe immer noch nicht habe. Ich benutze das Dunkelblau inzwischen oft für alles Mögliche. Aber nicht für das, wofür ich es gekauft habe. Ich überlege schon, mit eine Tube Dioxazinviolett zu kaufen und mit etwas aus meiner Schwarztube zusammen zu rühren. Wird wohl die einzige Möglichkeit sein.

Sonntag, 6. November 2016

Neu errangiert: Andere Ausrichtung für mehr Farben

Meistens kommen meine Aquarellfarben unterwegs zum Einsatz. Wenn der Kasten zu groß und zu sperrig ist, macht das jedoch keinen Spaß. Daher habe ich einen 12er Kasten, an dem ich die untere Klappe entfernt habe. Und das Inlay ist auch rausgeflogen, stattdessen habe ich ihn mit Uhu Pattafix ausgekleidet.


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So sieht der Kasten bisher immer aus.


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Hier sieht man das haltende Pattafix. Da ich vor allem die alten Versionen der Van Gogh Näpfchen habe, die chonisch sind, funktionieren die elendigen Metallhalterungen bei mir sowieso nicht. Man tupft mit dem Pinsel rein und bekommt das ganze Näpfchen ins Gesicht geschossen. Daher ist Pattafix nicht nur die schönere, sondern auch die bequemere Halterung. Und gegenüber Pattex hat es den Vorteil, dass man leere Näpfchen ganz austauschen kann oder mal die ganze Ordnung über den Haufen werfen kann. Ich habe nämlich noch ca. 40 andere Näpfchen am Start, die auch mal benutzt werden können.

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Wenn die Näpfchen alle um 90° gedreht eingesetzt werden, passen plötzlich 3 Näpfchen mehr in den Kasten. Ich habe mich für orange, superdunkles Violett und türkis entschieden.

Damit habe ich in einem 12er Kasten jetzt 26 Farben. ... Moment, da sind nur 24 Farben! Nein, im Deckel sind noch zwei große Tubenkleckse von Sennerlier Indigo und Mijello Shadow Violet. Dort ab und an was zu parken ist auch ganz nett.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Praktischer Tuschefüller

Der Inktober stand ja vor der Tür und ich war nicht immer zu Hause. Außer Haus mit Tuschefass und Feder herumzuwerkeln ist nicht sehr bequem und andererseits auch ziemlich gefährlich hinsichtlich der Tuscheunfälle. Ich hatte zu Hause auch einen.

Inspiriert von den internationalen Urban Sketchern und weil ich früher Lamyfüller gesammelt habe, hab ich mir die praktische Lösung zugelegt: Die Tusche im Füller.
Da dies nichts ist, was man so kaufen kann, erlebe ich immer wieder Verwunderung darüber, wenn ich das Teil auspacke und drauf los male. Sehr schön ist auch, ohne Vorzeichnung drauf los zu malen. Aber um da etwas Licht ins Dunkel zu bringen und Fragen zu beantworten, möchte ich das mal alles zusammenfassen, was ich da mal eben gewurschtelt habe. Und glücklicherweise auch funktioniert.


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Ich habe einen Pott Rohrer & Klingner Zeichentusche in schwarz. Dazu einen Lamyfüller mit einer EF-Feder (sehr dünn) und eine 3 mL Spritze aus dem Laborbedarf. Bekommt man vielleicht auch in der Apotheke oder einem guten Schreibwarenladen, welcher sich auf Füller spezialisiert hat. Supernerds bei Füllern stehen auf Spritzenfüllungen.

Es gibt auch Schraubkonverter, aber die machen eine große Sauerei, wenn man sie nicht mit einer Spritze befüllt und sie sind sehr klein, da die Schraubmechanik sehr viel Platz einnimmt. Daher habe ich eine normale Patrone, die leer geschrieben und ausgewaschen ist.


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Hier sehen wir die normale Patrone. War mal blaue Tinte drin. Die ist einmal mit schwarzer Tusche gefüllt gewesen und nun leer, aber das sieht man relativ schlecht. Die schwarze Tusche ist ja sehr stark färbend.
Schwarze Tinte kann ich nicht empfehlen, das hab ich schon probiert. Die ist so wenig pigmentiert, dass man quasi die ganze Zeit nur grau malt.


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Mit der Spritze werden 2 mL Tusche aufgezogen.

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Und jetzt vorsichtig in die Patrone spritzen. Beim ersten Mal klappt das sehr gut, danach muss man sich mit der Resttusche in der Patrone herumquälen. Tusche hat eine sehr geringe Oberflächenspannung und bildet daher "Seifenblasen", also Doppellamellen, die sich über die Luft in der Patrone legen. Die Knüle geht sauber durch die Lamelle durch ohne sie platzen zu lassen und drückt bei der Befüllung die Luft nach oben. Damit auch die Lamelle. Und die spritzt einem dann etwas Tusche entgegen. Ich habe die Luft dann immer wieder abgesaugt und die Patrone weiter mit Tusche gefüllt.

Es gibt noch zig andere Tuschen, die vielleicht besser für Füller geeignet sind. Wichtig ist, dass sie nicht super dickflüssig sind. Z.b. würde ich Koh i noor Tusche und Deleter black 4 Tusche nicht in den Füller spritzen, da ich Angst hätte, dass mir alles verklebt. Das Problem hat man mit dieser Tusche auch ab und an.

Die Rohrer & Klingner Zeichentusche verklebt mir vorne immer die Feder. Man kann sie frei schreiben oder etwas anfeuchten, dann gehts auch wieder. Mit der Zeit bildet sich ein verklebter Tuscheberg auf der Feder, der sich nicht mit Wasser entfernen lässt. Hier helfen organische Lösemittel! Schaut, was da ist: Alkohol, Aceton, Nagellackentferner...Bei Nagellackentferner immer aufpassen, da ist Öl mit drin. Und das kann das nächste Bild versauen, das Öl also wieder gut entfernen.


Weiterführende Literatur:

Liz Steel über Sketching Füller  und Tuschen für solche Füller
Well appointed Desk über Füller 
Teoh Yi Chie führt das Ganze im Feld vor Teil 1 und Teil 2

Und hier noch was Cooles: Liz Steel hat das Füllersystem mit weißer Tusche ausprobiert. Ein schnell erreichbares Weiß ist ja immer so ein Problem, wenn man mit den Ballschreibern nicht zurecht kommt.



Und jetzt natürlich noch ein paar Dokumentationen, was man mit dem gefüllten Lamy so alles malen kann.

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Inktober Skizzen, was man so geträumt hat.


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Die dünnen Linien sind mit Füller, die großen Flächen mit Pinsel + Tusche.


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Mehr Inktober

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Mitnehmen ins Cafe und danach colorieren.

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Blick aus meinem Hotelzimmer in Essen.


Der Füller ist deutlich einfacher fest zu halten als Tuschefedern und er lässt sich einfach überall mit hin nehmen. Die Linien verblassen beim Radieren nicht wie bei Finelinern.
Man ist natürlich limitiert durch seine Feder. Ich hab jetzt die dünnste von Lamy und die malt dicker als ein 0.3 mm Fineliner. Mehr so richtung 0.5 mm. Wenn man darauf besteht, dass die Linien super dünn sein müssen, dann muss man sich umschauen, welcher Füllerhersteller so dünne Federn anbietet. Allerdings mag ich gerade das Dicke an der Feder: Es macht sie extrem robust. Man wird sehr schnell und hält sich nicht an Kleinigkeiten auf. Das große Ganze rückt mehr in den Fokus.

Ich hab meine erste Füllung mitte September eingefüllt. Jetzt, ende Oktober ist sie leer. Da lässt sich zeigen, wie sehr sich das Experiment gelohnt hat ;) Ich kanns wirklich empfehlen!

Samstag, 1. Oktober 2016

Schüttelkarte

Mich faszinieren Schüttelkarten ja, aber im Basteln bin ich leider nicht so begabt. Daher gabs bisher von mir noch nicht so viele.

Die erste war diese

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Man kann das Goldpulver komplett über die Platte verteilen und theoretisch auch weider wegmachen, wobei die ausgestrichenen Mikroben dann sichtbar werden. Da es meine erste Schüttelkarte war, war mir nicht bewusst, wie viel Zwischenraum ich lassen muss. Hier leider zu wenig. Aber mit etwas Gewalt kann man das Zeug runterschütteln.


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Nach etwas Übung hab ich dann mehr Zwischenraum gelassen und diese Bierkarte gemacht.

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Und wenn man das Pulver komplett oben in die Schaumkrone schüttelt, entdeckt man "Lactobacillus brevis", einen Bierschädling, der einem den Genuss versaut :)
Hier ist leider etwas zu wenig Pulver drin, aber da es sich stets statisch aufläd, ist das nicht so schlimm.

Vielleicht sollte ich mal schauen, dass ich andere Schüttelmaterialien bekomm. Und dann kann ich die Ideen weiter ausbauen!

Sonntag, 25. September 2016

Aquarellfarbe mit Schimmelstopp

Aquarellfarbe, die schimmelt? Ja, das gibt es tatsächlich. Überall in der Umgebung sind natürlicherweise Schimmelsporen enthalten und die fallen auch auf unsere Farben. Dabei kann es sein, dass die Umstände wie genug Feuchtigkeit und vielleicht sogar etwas Nahrung (z.b. Gummi Arabicum oder Honig) günstig für den Schimmel sind und er zu wachsen beginnt.

Das sieht dann so aus


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Winsor Green Blue Shade von Winsor + Newton in Tubenqualität. Man sieht deutlich die weißen Hyphen des Schimmelpilzes, der sich über die tief grüne Farbe erstreckt. In typisch deutschen Breitengraden ist das normalerweise auch kein Problem, so hab ich die Farbe einfach weiter verwendet und nie Probleme bekommen, dass mir das Papier schimmelte.

Ich sprach jetzt aber mit jemandem, der in deutlich tropischeren Breitengraden Aquarellmalerei betreibt und dem nicht nur eine Farbe schimmelt, sondern gleich mehrere. Bei so hoher Luftfeuchte kann man auch nicht ausschließen, mal einen Pilz zu erwischen, der Cellulose verstoffwechseln kann und dies dann auch tut. Ich überlegte also, wie man dem Problem langzeitlich begegnen kann und startete ein Experiment.

Meine Lösung: Zugabe von quartärer Ammoniumverbindung (QAV)
englisch: quarternary ammonum compound
chemische Namen: Didecyldimethylammoniumchlorid oder Benzalkoniumchlorid

Die beiden sind biozide Stoffe, das heißt, sie töten Mikroorganismen. Dabei stehen vor allem grampositive und gramnegative Bakterien, Hefen und Schimmelpilze auf dem Wirksamkeitsspektrum. Mykobakterien (Tbc) und Viren werden schlecht bis gar nicht abgetötet, Bakteriensporen auch nicht.
Bei unserem Kandidaten handelt es sich um klassischen Schimmel, damit ist das eine gute Wahl.

Die QAV haben keinen Geruch, da es sich dabei um Salze handelt. Sie gehen daher auch nicht in die Luft über und reizen die Atemwege nur, wenn man einen Sprühnebel aus ihnen einatmet. Die Hautreizung gestaltet sich so, dass die Moleküle sich auf die Oberfläche heften und die Funktion "verkleben", beispielsweise die Funktion Fett und Wasser auf der Hautoberfläche zu bilden, damit die Haut nicht austrocknet. Als Folge verklebter QAV Haut trocknet einem dann eben die Haut aus. Besser nicht direkt mit den Fingern hinein gehen, sollte es aber mal passieren, ist das nicht schlimm. Hoch verdünnt ins Auge geraten ist das auch nicht schlimm, es trocknet sie auch nur aus. In manchen Augentropfen sind die QAV als Konservierungsstoff enthalten. Cool, macht abhängig!

Die Wirksamkeit auf der Mikrobenoberfläche ist demnach genau so: Die Oberfläche wird verplompt und die Ionenkanäle funktionieren nicht mehr. Der Mikrooganismus wird in sich erstickt und hat meistens ja auch nur eine Zelle, aus der er besteht, kann sich daher nicht regenerieren.
Das QAV Molekül ist positiv geladen und bringt ein Chlorid Anion mit. Damit ist es wasserlöslich und lässt sich zusammen mit der Aquarellfarbe aufs Papier auftragen. Da es sich bei QAV um Tenside handelt, die oberflächenaktive Eigenschaften haben, kann es sein, dass die Maleigenschaft verändert wird. Wir kennen ja unser Gummi Arabicum, das uns die Farbe so schön übers Bild schwimmen lässt. Und das könnten die QAV verstärken, je nachdem, wie viel man zugibt.

Wo bekommt man QAV?
Generell sollte man das Etikett gut lesen, denn der reine Produktname bedeutet nicht, dass QAV auch drin sind. Manchmal sind stattdessen Alkohole oder andere Stoffe enthalten, die uns für die Aquarellmalerei nicht helfen.
Desinfektionswaschmittel für Wäsche
Schimmelentferner (hier besondere Vorsicht, viele sind Alkohol statt QAV)
Algen und Moos/Grünbelag Entferner

Wer an Industrieprodukte gerät, verdünnt diese dringend so wie es in der Produktinfo steht! Viel hilft viel bringts nicht.



Jetzt zum Praxistest!


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Ich habe Tubenfarbe genommen, um mir nicht den ganzen Kasten zu versauen, falls es schief läuft. Die Tubenfarben habe ich dann mit relativ dicker QAV Lösung besprüht und das Ganze 30 min einwirken lassen.
Coelinblau und Winsor gelb trockneten schnell ab und waren wie vorher. Magenta und Lampenschwarz blubberten mit dem QAV etwas auf und sahen aus wie eine geschmolzene Qualle, die nicht mehr so gut abtrocknete. Dabei ist natürlich zu sagen, dass Tubenfarben grundsätzlich flüssiger als Näpfchen sind und gerade die Tubenfarben von Daler Rowney sehr flüssig daher kommen. 

Nach den 30 Minuten Trocknungszeit habe ich dann mein Bild aquarelliert. Ich habe dabei gemerkt, dass die oberflächenaktive Eigenschaft der QAV tatsächlich minimal zu spüren ist: Das Aquarellergebnis wurde noch gleichmäßiger als vorher. Das kann man gut finden oder auch nicht, das ist Geschmackssache. Komische Dinge hat meine Farbe jedoch nicht getan und es ließ sich gut damit arbeiten. Ich habe eine Farbe von Lukas, Violett, die verläuft auch so stark wie diese Farbe + QAV, so einzigartig ist dies demnach gar nicht.

Wenn die Farbe langzeitlich im Näpfchen desinfiziert bleiben sollen, sollte man ab und an immer wieder QAV nachlegen, da man ja nicht die kompletten Blöcke an Farbe durchdesinfiziert. 

Das Tolle an QAV ist neben Geruchsfreiheit und Hautfreundlichkeit auch noch, dass der Wirkstoff nicht kaputt geht wie beispielsweise Aktivchlor. Der Wirkstoff bleibt auf der Farbe und sobald die Lebensbedingungen für den Schimmel gut werden und die Sporen auskeimen, werden sie durch das QAV gleich wieder abgetötet. Damit sind sowohl die Farbe als auch die fertigen Bilder geschützt in einem feucht-tropischen Klima. 

Samstag, 30. Juli 2016

Inktense - Vermalbare Buntis mit Persistenz

Meine ersten guten Buntis waren Goldfaber von Faber Castell. Meine Mutter fand es stylisch, dass man sie wasservermalen kann, das ist doch was fürs Kind, das so gerne malt! Ich habe damit rumprobiert, ich war vielleicht 10. Normales Papier wellte sich beschissen und die Ergebnisse sahen mehr als dumm aus, da waren ja die Deckfarben noch besser. Wirklich Kontrolle hatte ich auch nicht. Und auf Aquarellpapier... nun, das war natürlich schnell weggemalt und neues gabs nicht, ist ja teuer bei dem Verbrauch. Und ohne Internet mit billigen Bezugsquellen, vor Ort gabs nur Künstlerqualität.

Ich benutzte meine Goldfaber dann fortan als normale Buntstifte, zumal die Farben auch besser waren (rot vor allem!) als bei sonstigen Buntis, die man mir kaufen konnte. Als ich dann in der 11ten war, erkannte ich, dass die groben Brocken der Stifte nichts für mich waren. Ihr Farbabtrag war nicht besonders fein. Ich versuchte es nochmal mit dem Aquarellieren auf besserem Papier, aber hatte nach wie vor weder Kontrolle noch Spaß daran. Mit einem richtigen Aquarellkasten von Muttern hatte man deutlich mehr Kontrolle über die Farbe. Und scheiße hart waren die Dinger auch, sie fraßen sich regelrecht ins Papier oder gaben nicht genug Farbe ab.

Jetzt bin ich fast 30 und kanns immer noch nicht mit ihnen. Auch die Albrecht Dürer hab ich nicht dazu bekommen, meine Freunde zu werden. Aber eines Tages wurde dann der Wunsch nach Inktense Stifte wahr, die ja quasi genau das gleiche sind. Nur mit einem Unterschied...


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Bei dieser Zeichnung habe ich zunächst mit 2H Bleistift vorgezeichnet, die Landschaft gemalt und zum Schluss die Bäume. Die Bäume sind sehr dunkel, das heißt, sie decken über der Landschaft, aber würden sich wieder anlösen, wenn ich sie zuerst malen täte. Aber als ich dann die Bäume malen wollte, waren sie schon so verblasst, dass ich sie quasi neu abmalen musste und meine Zeichnung nicht wieder fand.
Aber wenn ich jetzt etwas hätte, das dunkel, Aquarelloptik ähnlich und nicht wasserlöslich wäre... dann könnte ich die dunklen Areale zuerst malen. Will aber keinen harten schwarzen Fineliner dabei haben. Mein brauner ist auch zu krass und dunkel.

Und genau hier wären die Inktense gut gewesen, denn sind sie einmal vermalt, kann man sie nicht mehr verschmieren. Die Bäume könnte man damit vormalen, dann den Rest und die Bäume gut sichtbar nachmalen. Dafür wollte ich eine kleine Hand voll naturfarbener Inktense haben.


Ausprobiert hatte ich sie bereits von CaitlynMurphy von kakao-karten.de auf einem Treffen.

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Dabei kam dieses Bild heraus. Im Gegensatz zu herkömmlichen Aquarellbuntstiften fand ich bei ihnen einen leichten Zaubereffekt raus: Der Minenabtrag entspricht nicht unbedingt dem vermalten Ergebnis.


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Hier haben wir meine Auswahl. Weiß sieht man leider nicht gut, ich habe eine wasserlösliche Tusche als Untergrund genommen, die sich beim vermalen natürlich übers Weiß legte.
Hier sieht man auch gut, dass der unvermalte Strich bei allen Farben sehr ähnlich ist, mit Wasser dann aber ein ganz anderes Gesicht zeigt. Wichtig war mir hier die reduzierte Farbpalette. Manchmal komme ich damit weitaus besser zurecht.

Auszüge aus meinen Aquarellbüchern:

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Für das Aquarellbuch sind die ziemlich cool, wenn man eine wirklich schnelle Skizze machen will wie bei Leuten, die in der S-Bahn stehen und gleich aussteigen wollen. Wenn man den Strich nicht vollständig vermalt, bekommen sie ein persönliches Eigenleben, das sehr reizvoll sein kann. Vollständig vermalte Aquarellbuntstifte entziehen sich immer noch meinem Sinn, da kann ich auch Näpfchen nehmen.

Freitag, 29. Juli 2016

Zeugs zum Schleppen

Ich habe inzwischen das erste Aquarellbuch voll und bin dabei, ein Zweites zu füllen. Da ich am Ende dann doch nicht mehr zufrieden mit dem Moleskin Aquarellpapier war, habe ich ein anderes genommen. Meine Wahl fiel auf das Aquarellbuch von Boesner mit Canson Papier.


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Und wenn ich das Buch mitnehme, um irgendwo draußen zu malen, brauch ich natürlich auch sonstigem Kram.

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Das ist symptomatisch: Das Taschentuch oder Zewa fehlt mal wieder. Das brauche ich, um Pinsel auszusaugen. In die Sternfedertasche passen all die Kleinteile und der Aquarellkasten. Das Wasserglas passt da nicht rein.
Zwei Klemmen, um Aquarellkasten ans Buch zu klemmen und bemalte Seite vor dem Windumblättern zu schützen. Kakaoschablone als Bildsucher. Wasserglas auch für Wassertankpinsel, da der mir oft zu trocken ist und im neuen Buch grundsätzlich die Seiten zerstört, wenn man ihn ohne zusätzliches Wasser "schmiert".

Die Pinselrolle habe ich eher selten dabei, erzielt aber deutlich bessere Ergebnisse als der Wassertankpinsel.


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Die Stifte sind immer in einer Tüte, so findet man die tatsächlich besser und muss nicht wühlen. Fineliner in schwarz und bunt, Tuschestift (leider nicht wasserfest), Kuli, Bleistifte von 2H bis 7B, Inktense Tuschebuntstifte, Papierwischer und ein Kaffeeumrührstäbchen als Linealersatz.

Man braucht nicht immer alles, aber ich vermisse meistens genau das, was ich aus dieser Sammlung auspacke. Also lass ichs drin.

Als nächstes möchte ich mehr Cafesketching machen. In Weinheim gibts am Bahnhof ein hartes Hipstercafe und in Ladenburg ein kleines süßes "weibliches" Cafe. Die müssen auf jeden Fall zu Papier gebracht werden!

Samstag, 16. Juli 2016

Urban Sketching - zeichnen vor Ort

Als ich aus Oldenburg wegzog, musste ich leider auch die Gruppe fürs Urban Sketching verlassen. Wir hatten uns dabei auf Millieustudien in Kneipen und Cafes spezialisiert, also weniger Bauwerke, sondern Menschen in ihrem Millieu mit charakteristischer Umgebung und entsprechend abstrahiert das Ganze. Mich hatte diese Art vom Zeichnen total aus der verrannten Perfektion des technisch hoch entwickelten Animezeichnens heraus gerissen und ich bin dem sehr dankbar. Seitdem fühle ich mich frei - einfach das zu zeichnen, was ich sehe, mit oder ohne Abstraktion. Wie ich mich gerade fühle.

Seitdem bin ich alleine unterwegs und nehme mein Skizzenbuch mit. Ich habe inzwischen eines voll und muss mir mal Gedanken über Videofilmen machen, damit ichs durchblättern und hochladen kann.

Was mir aber immer wieder Probleme bereitet, sind diese fancy Fotos, auf denen man Vorlage und Zeichnung gleichermaßen sieht. Oft ist das Licht so beschissen, dass man entweder nur die Zeichnung oder nur die Vorlage sieht.


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Ich hab hier nochmal so an den Werten geschraubt, bis man überhaupt etwas Licht sah. Das Buch war extrem abgedunkelt. Und die Sache mit dem Scharfstellen ist auch alles andere als einfach.

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Und so sieht es dann tatsächlich aus.


In Weinheim in der Innenstadt gibt es diese beiden wundervollen Wohnhäuser. Eigentlich sind sie alle wundervoll, so viel Fachwerk! Aber direkt davor war eine Gasse mit einer Treppe, die ich als Sitz nutzen konnte.


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Wieder die Helligkeit hoch gezogen. Aber bringt alles nix.

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So siehts nämlich aus.


Und beim Bäcker dann der typische Totalausfall:

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Da ist nichts mehr zu retten. Der Laden war einfach zu dunkel, man hat schon fast anonym gegessen (gegenüber des Tresens waren Tische, da hab ich gefrühstückt)

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Hier mal Licht im Dunkel.


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Und manchmal klappt es einfach!

Aber oft fotografiere ich lieber gar nicht mit Umgebung, weil man sonst Gesichter von Leuten mit ablichten würde und das ist unanständig, sobald man die Fotos online stellen will und die Leute nicht gefragt hat. Ich mag das nicht. Da lichte ich lieber nur meine abstrahierte Version der Menschen ab, dann erkennt sie keiner.

Sonntag, 15. Mai 2016

Meerjungfrau STA

Die Meerjungfrau STA ist gestartet! Ich habe mir sie schon so lange gewünscht, da muss ich natürlich auch mitmachen :)

Aber was male ich da? Es gibt so viele Möglichkeiten! Das Skizzenbuch ist da immer ein netter Ort, um seinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Schauen wir mal, was daraus so geworden ist.


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Wer H2O - plötzlich Meerjungfrau, bzw Mako - einfach Meerjungfrau gesehen hat, weiß, was diese Meerjungfrau hier tut. Sie hat magische Kräfte und kann die Naturgewalten kontrollieren. Und so wissen wir endlich, wie ein Sharknado entsteht. Das ist kein einfacher Tornado auf dem Meer, der Haie ansaugt, sondern gezieltes Einwirken von Meerjungfrauen, die einen Vertrag mit den Asylum haben.
Da es sich hier ja gewissermaßen um ein Doppelfanart handelt, weiß ich noch nicht, ob ich daraus eine Karte mache.


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Und jetzt kommen die Kreaturen-maids. Lobstomaid ist eine Hummerfrau, das funktioniert ganz gut.

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Krakomaid soll einen Kopffüßler darstellen. Und untenrum endet es dann, da ist nix mehr. Ursula hat ihre Füße ja an der falschen Stelle.

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Mupfelmaid ist mein persönlicher Favorit, wirkt aber irgendwie nicht so dolle. Hier habe ich den Fuß der Muschel mit dem Frauenoberkörper ersetzt. Nach meiner Kritik an Ursula halte ich das aber für keine gute Idee mehr.

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In meinem Instagram sehe ich ab und an seltsame Comics über Meerjungfrauen, die ich nicht verstehe. Aber die Zeichnungen an sich finde ich witzig. Darin kommt auch Schollomaid vor, aber etwas anders als diese. Die Adaption als Frau war etwas schwierig, daher musste sie die Krone bekommen und hat eine My little Pony ähnliche Frisur erhalten.


Mal sehen, was daraus wird. Ich glaube, Lobstomaid hat gute Chancen auf eine Karte!

Sonntag, 10. April 2016

BIC Visaquarelle

Vor ein paar Wochen hatte Penny Schulsachen von BIC und dabei fielen mir die Filzmaler "Visaquarelle" ins Auge. Sie haben die beliebte Pinselspitze und sie haben Aquarell im Namen. Da derzeit diverse Firmen Aquarellmarker rausbringen, die man dann auch schön weiter vermalen kann und die ich von Tombow schon austesten durfte, hoffte ich hier auf eine witzige preiswerte Kleinversion davon. Die Kinder würden daran auch großen Spaß haben.

Nur die Schraube... also BIC ist ja eine französische Firma und Vis heißt Schraube. Ich habe heute noch keinen Plan, warum es Schraubenaquarell heißen soll.


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Voll in Fahrt. BUNT! Hier sieht alles noch gut aus. Ups, Spoiler...

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So sieht dann die Packung aus. Man schaut vor dem Kauf dann mal im Internet nach und bei Amazon steht in den Produkteigenschaften folgendes: "Ideal zum aquarellieren". Ja, super! Gekauft!


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Ich habe die Teile dann bei Penny gekauft. Und auf der Packung steht nichts von aquarellieren, da steht

Fasermaler, extra flexible Pinselspitze: Ideal für kreatives Malen. Trocknet nicht aus, auswaschbar aus nahezu allen Textilien, bla.

Aber Amazon hat gesagt... ich habe die Stifte dann natürlich wie Tombows auf ein Papier gemalt und relativ frisch nass sofort mit einem nassen Pinsel rüber. Das Ergebnis entspricht etwa allen anderen normalen Filzstiften: Kein Vermalen. Kein Aquarellieren. KEIN AQUARELL. Ist das also die Schraube dahinter? Die die Farbe tief im Papier einschraubt, sodass man sie dann doch nicht aquarellieren kann?

Tief enttäuscht musste ich dann ja doch irgendwas damit machen. Vielleicht kann ich sie im Skizzenbuch verwenden, Copics drücken da immer so durch.

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Das Skizzenbuch erfreute mich dann mit der netten Tatsache, dass die Farben ausfransen und in alle Richtungen zerlaufen. Und durchdrücken.


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Selbes Skizzenbuch. Mit Outlines und besonders primitiven Formen ohne Schattierungen bekommt man schon was Buntes hin. Die Rückseite ist aber wegen des Durchdrückens ebenso unbrauchbar wie mit Alkoholmarkern.


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Anderes Skizzenbuch. Auch da ist die Rückseite ruiniert. Die Farbe franst dort nicht mehr so stark aus, tut es es aber dennoch weiterhin.


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A4 auf Römerturm Zeichenblock matt. Kein ausfransen, minimales Durchdrücken, darauf gehts einigermaßen.

Kommen wir zu den Skillz. Was erwarten wir als Alkoholmarkerkenner von einem Filzstift, was wir an unseren Filzern der Kindertage hassten?
1. Die Übergänge müssen gleichmäßig machbar sein. Hier mit viel Anstrengung halbwegs möglich, aber nicht besonders zufreidenstellend. Dennoch deutlich besser als bei typischen Kinderfilzern. Da haben diese dem Standard gegenüber die Nase vorn.
2. Die Farbfläche darf keine Knoten bilden. Nie. Die Farbfläche bildet hier nach 5-10 mal drüber malen knoten. Damit ist zu arbeiten, der typische Standardfilzer knotet schon bei der 2ten oder 3ten Schicht.

Die Dinger sind für anspruchsvollere Kinder, die gut mit ihrem Zeug umgehen, bestens zu empfehlen. Ich bin aber kein Kind und will wasservermalbare Aquarellstifte haben, so wie im Titel und in der Amazonbeschreibung angepriesen. Oder ich will wenigens einen Stift für meine Skizzenbücher, die passabel (nicht ausfransen, nicht durchdrücken) zu nutzen sind. Ich bekomme beides nicht, sondern muss auf meinem Malblock irgendwas improvisieren und mich extrem stark auf den Stift einstellen, um was sinnvolles raus zu bekommen. Der Stift gibt mir nicht die Möglichkeit, alles zu malen. Aber genau das erwarte ich von einem Stift: Er muss mein Werkzeug für meine Ideen sein. Nicht ich das Werkzeug für seine Benutzbarkeit.